Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt,
sondern der, welcher sein Leben
am meisten empfunden hat.

- Jean-Jacques Rousseau -

 

Spielewelten

Willkommen in diesem meinem persönlichen Raum der verspielten Welt.

Wir wissen, dass wir spielen. Aus Überschuss an Lebenskraft, zur Entspannung, aus einem angeborenen Nachahmungstrieb heraus oder mit dem ungestillten Bedürfnis, auch außerhalb der Arbeitswelt etwas zu können, zu erleben, zu verursachen.

Warum spiele ich so gerne?
Welche Art von Spielen und mit wem spiele ich gerne?

Dies hat sich natürlich verändert im Lauf der Jahre. Begeistert haben mich schon immer Spiele, bei denen ich in fremde Welten eintauchen konnte. Spiele mit Spielplänen von bekannten und fremden Gegenden faszinieren mich schon früh und heute immer noch. „Öl für uns alle“ oder „Wildlife“ aus den 60er Jahren waren die ersten Brettspiele, nachdem natürlich auch Binokel, Canasta oder Skat schon zusammen mit der Familie zu Hause gespielt wurden.

Öl für uns alle1989 wollte ich meine Freude am Gesellschaftsspiel teilen. Mit Freunden zusammen gründeten wir die „Spielwerkstatt e.V.“ in Reutlingen. Hintergrund war die Idee zu einem großen Reutlinger Spiel Event in der damaligen Listhalle. Die Halle ist vergangen, der Verein nicht. Es gibt in Reutlingen immer noch einen wöchentlichen Treff im „Haus der Jugend“.

Manchmal möchte ich auch in kleiner Runde spielen, mit netten Menschen, spontan und nicht Termin abhängig. Neues kennenlernen oder bekannte Spiele wieder spielen.

Vielen wird es ähnlich gehen.

Die Reutlinger Buchhandlung Osiander, heute wird der Begriff „Medienhandlung“ besser zutreffen, veranstaltet einmal im Jahr einen Spieletreff. Leider viel zu selten.

Mein Anliegen hier ist es, nicht nur die Welt der Spiele etwas zu beleuchten, sondern und vor allem, eine Möglichkeit zu bieten, sich über das Interesse an Brett- und Kartenspielen auszutauschen. Gelegenheit zu finden, um gemeinsam spielen zu können. Zu Hause, bei Freunden oder auch in Räumen und Veranstaltungen von Institutionen.

Wer Interesse hat, kann sich gerne melden bei

spielidee(at)web.de.

 

Homo Ludens

Warum spielt der Mensch überhaupt? Der niederländische Historiker Johan Huizinga hat zwar in seinem Standardwerk "Homo Ludens" 1938 im Detail nachgewiesen, dass alle Kultur ihren Ursprung im Spiel hat; die Frage jedoch, was eigentlich den Witz eines Spiels ausmacht, widerstrebt bisher jeder Analyse und logischer Interpretation.

Wenn wir spielen, tun wir das gewöhnlich im Familienkreis, mit Freunden oder Bekannten. Das Geselligkeitsmotiv ist also ebenso entscheidend wie die Freude oder der Spaß an der Sache. Wer je in einer fröhlichen Runde gespielt hat, wird von dieser Atmosphäre gefangengenommen, wird fasziniert und begeistert sein und bestätigen können, dass Spiel auch für uns Erwachsene zur Passion werden kann.

Die freie Zeit ist gewachsen und belässt dem einzelnen weitaus mehr Raum für die private Gestaltung seines Lebens als sich das Generationen zuvor hätte träumen lassen.
Die Freizeitindustrie offeriert vielfältige Angebote zur Nutzung dieser Zeit - es fragt sich jedoch, ob dieser vermarktete Bereich wirklich das bieten kann was wir suchen - nämlich Ruhe, Entspannung, Gelöstheit, eben Freiheit von jenen Alltagsproblemen, die uns so oft bedrängen.

Das stetig wachsende Interesse an verschiedenen Veranstaltungen weist auf diesen Aufschwung hin. Aus einem Insider-Treffen im Rahmen der Volkshochschule Essen entwickelte sich eine eigenständige Spielemesse, die Internationalen Spieletage in Essen (im Gegensatz zur Spielwarenmesse in Nürnberg eine reine Spielemesse). Die Veranstaltung, die jedes Jahr in Oktober in mehreren Hallen des Essener Messegeländes stattfindet, ist inzwischen die wichtigste Publikumsmesse für Spiele und Spieler, für Spielehersteller und Spielautoren, für Medien und Journalisten.

Ebenfalls 1983 ins Leben gerufen und sofort ein Bombenerfolg wurde das jährlich stattfindende Göttinger Autorentreffen. Das Hauptanliegen dieser Veranstaltung gilt den Spieleautoren und natürlich deren neuen Spielen. Ebenso werden Themen wie Autorenschutz, Regelgestaltung, Layout und Schutz von Entwürfen, Honorare etc. erörtert. Höhepunkt ist die Verteilung des "Göttinger Spatz", ein Förderpreis für den Spieleautor des Jahres.

Mit der zunehmenden Zahl der auf den Markt kommenden Spiele wuchs auch die Ratlosigkeit des Käufers. Da kamen einige wenige Spiele-Rezensenten des deutschsprachigen Raumes 1979 auf die Idee und schufen den Kritikerpreis Spiel des Jahres und die Sonderpreise "Schönstes Spiel des Jahres" und "Schönstes Kinderspiel". Später wurde noch die "Bestenliste Spiel des Jahres" und die "Essener Feder" für die beste Spielregel geschaffen. Zielsetzung dieser Preise ist es, spielfreudigen Erwachsenen und Familien Orientierungshilfe zu geben und gute Spiele herauszuheben. Neben der gutgemeinten Absicht, dem Käufer und Kunden Entscheidungshilfen zu geben, sind diese Preise natürlich auch für die Firmen begehrte Objekte, die Umsatzzahlen eines preisausgezeichneten Spiels sprechen in dieser Wachstumsbrache für sich.

Die heutige Produktpalette ist so reichhaltig und verschieden, dass für jeden Anspruch, für jede Gruppe etwas dabei ist - sofern dem Interessierten Informationen darüber zugänglich gemacht werden. In Spielerkreisen machen eine Menge Begriffe die Runde, die für einen Außenstehenden oftmals unverständlich sind. Das erschwert vielen, die sich für Spiele und das Spielen interessieren, den Zugriff zur faszinierenden Welt der Spiele; Begriffe wie Aktionsspiele, Autorenspiele, Bier- und Brezelspiele, Brettspiele, Cosimspiele, Deduktionsspiele, Fantasy-Spiele, Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, KIM-Spiele, Klassiker, Kooperative Spiele, Legespiele, Postspiele, Quizspiele, Rollenspiele, Solitärspiele, Sportspiele, Strategiespiele, Taktikspiele, Werbespiele, Wirtschaftsspiele, Würfelspiele - gehört hat man einige davon, genaues weiß man jedoch nicht darüber und vor allem: welche aktuellen Spiele fallen darunter, wie sehen diese Spiele aus, wie funktionieren sie, was ist das Spielprinzip, der Spielmotor, für welche Zielgruppe, ab welchem Alter eignet sich ein Spiel? Der Fachhandel ist auch meist überfordert, umfassende Antwort und Beratung auf diese Fragen zu geben. Und nicht nur Information ist gefragt - man will auch anschauen, auspacken, ausprobieren.

Seit 1989 gibt es in Reutlingen einen regelmäßig stattfindenden Spielekreis, bei dem sich nicht nur der informierte Spiel Fan wohlfühlt. Auch bei Menschen, die nur gelegentlich mal zur Spielschachtel greifen, wird das Interesse für eine Freizeitbeschäftigung geweckt oder vertieft, von der schon der griechische Philosoph Aristoteles sagte: Trefflich erscheint mir der Ausspruch des Anacharsis zu sein: "Spiele, damit du ernst sein kannst. Denn das Spiel ist Ausruhen, und die Menschen bedürfen, da sie nicht immer tätig sein können, des Ausruhens"."